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Ausgezeichnete Bachelorarbeit zu globaler Gesundheit

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GMDS-Förderpreis und Einladung nach Oxford für HfP-Studentin Friederike Suhr.

"Noch weit mehr Forschung ist nötig", so lautet das Fazit von HfP und TUM-Studentin Friederike Suhr, die eine ausgezeichnete Bachelorarbeit bei Janina Steinert, Professorin für Global Health an der HfP/TUM School of Social Sciences & Technology, geschrieben hat. Foto: Friederike Suhr

Wie wirken sich Fluten auf die Bevölkerungsgesundheit in Subsahara-Afrika aus? Friederike Suhr hat in ihrer Bachelorarbeit die Studienlage untersucht und dafür den Förderpreis 2022 der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) im Fachbereich Epidemiologie erhalten. Nun geht sie als Junior Visiting Scholar nach Oxford.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung der GMDS für Ihre Bachelorarbeit! Worum ging es in der Arbeit?

Im Rahmen einer Systematic Review habe ich untersucht, wie sich Fluten auf die Bevölkerungsgesundheit in Subsahara-Afrika auswirken. Dabei habe ich mich auf quantitative Studien fokussiert und den aktuellen Wissenstand zusammengefasst und bewertet. Insgesamt habe ich zehn Studien analysiert, von denen neun auf eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten wie Malaria oder Cholera im Zusammenhang mit Fluten hinweisen.

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Die Ergebnisse machen unter anderem deutlich, dass noch weit mehr Forschung nötig ist. Denn interessant ist auch, was ich nicht gefunden habe: Studien, die sich auf Unter- oder Mangelernährung oder psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Fluten konzentrieren. Außerdem gibt es noch viel zu wenig langfristige Untersuchungen.

Woran liegt das?

Ich vermute, das Augenmerk lag bisher mehr auf Dürren, vor allem hinsichtlich Unter- oder Mangelernährung, und weniger auf Fluten. Das ist alarmierend angesichts der Klimaprognosen des Weltklimarats und der Auswirkungen von Fluten auf die Ernährungssicherheit, besonders in einer Region, in der viele Menschen direkt von der Landwirtschaft abhängig sind. Hinzu kommt, dass viele Staaten in Subsahara-Afrika unzureichend auf Fluten vorbereitet sind. Ein Grund für die fehlenden Studien zu psychischer Gesundheit könnte auch ein allgemeiner Mangel an Daten zu diesem Thema sein.

Subsahara-Afrika und Fluten, beides bringt man nicht unbedingt sofort miteinander in Verbindung.
 
Das stimmt, man denkt vielleicht als erstes an Dürren. Fluten und Dürren können aber auch zwei Seiten derselben Medaille sein. Schon heute stellen Fluten, kombiniert mit Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und ungeplanter Infrastruktur, Städte wie Daressalam in Tansania vor große Herausforderungen.

Auch Deutschland hat in den letzten Jahren einige Flutkatastrophen erlebt.

Das ist sehr besorgniserregend und macht die Auswirkungen von Extremwetterereignissen für die menschliche Gesundheit umso deutlicher. Ich komme aber auch ins Grübeln, wenn ich bedenke, dass die Vulnerabilität für Extremwetterereignisse in Subsahara-Afrika ungleich höher ist, die ökonomischen Mittel zugleich geringer und die Gesundheitssysteme deutlich fragiler und vorbelasteter durch Erkrankungen wie HIV und Malaria sind. Dahinter steckt eine viel größere Problematik: Afrikas historisch geringer Beitrag zum Klimawandel auf der einen, seine hohe Anfälligkeit für die Konsequenzen auf der anderen Seite.

Angesichts dieser Entwicklungen, verlieren Sie da als junger Mensch und Wissenschaftlerin nicht Ihren Optimismus?  

Es gibt viele negative Entwicklungen. Der Klimawandel ist eine davon und stellt eine Gefahr dar, auf die reagiert werden muss. Aber es gibt auch viele positive Entwicklungen. Letztendlich hängt es vom betrachteten Zeitraum ab. Ich finde es wichtig, langfristige, gute Trends nicht zu vergessen. Zum Beispiel gibt es gerade in den Bereichen Gesundheit oder Zugang zu Bildung in den letzten Jahrzehnten auch enorm positiven Fortschritt. Es gibt viele Gründe, den Optimismus beizubehalten.

Optimismus und Begeisterung sind freilich essentiell für Ihre Arbeit als Forschende.

Ja, das ist sicherlich hilfreich, um motiviert zu bleiben. Viel Unterstützung bekomme ich auch von meinem Umfeld an der TUM. In Janina Steinert, die an der TUM School of Social Sciences & Technology die Professur für Global Healthinnehat, habe ich eine hervorragende wissenschaftliche Betreuerin gefunden. Sie stand und steht mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Was hat Sie von einer kleinen Ortschaft nahe Mainz an die TUM verschlagen?

Mich hat der interdisziplinäre Ansatz überzeugt. Schon im Bachelorstudium konnte ich in andere Fachbereiche hineinschnuppern, das fand ich großartig. Ich habe zum Beispiel viel an der Informatikfakultät gemacht, R-Programmierung und Datenanalyse. Davon profitiere ich heute sehr. Auch gefällt mir das anwendungsbezogene Lernen an der TUM. Wir lernen nicht nur Stoff für Prüfungen, sondern können in Projekten Dinge ausprobieren und eigene Ideen entwickeln. Super finde ich auch das hervorragende Betreuungsverhältnis in unserem Fachbereich, die Professorinnen und Professoren sind immer ansprechbar und nehmen sich viel Zeit für uns.

Im Oktober geht es nun für drei Monate als Junior Visiting Scholar nach Oxford.

Genau! Ich habe dort die Möglichkeit, mich noch tiefer mit dem Thema meiner Bachelorarbeit auseinander zu setzen. Innerhalb des Forschungsaufenthaltes in der „Climate Econometrics“-Forschungsgruppe konzentriere ich mich besonders auf ökonometrische Methoden, um die Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf die Bevölkerungsgesundheit weiter untersuchen zu können. Besonders freue ich mich, dass ich hier an der TUM schon zwei „Buddies“ kennengelernt habe, die zur gleichen Zeit in Oxford sein werden. Das gibt mir schon jetzt ein Gefühl von Zuhause!