Aktuelles aus der Forschung

15.08.2019

Neue Veröffentlichung: Der Aufstieg der #AfD in den Sozialen Netzwerken

Das Political Data Science Team hat eine neue Veröffentlichung zum Thema "The Rise of Germanys AfD: A Social Media Analysis" vorzuweisen. Erstautor ist der fabelhafte Juan Carlos Medina Serrano und der Artikel ist als open access erschienen als:
Serrano, Juan Carlos Medina, Morteza Shahrezaye, Orestis Papakyriakopoulos, and Simon Hegelich. "The Rise of Germany's AfD: A Social Media Analysis." In Proceedings of the 10th International Conference on Social Media and Society, pp. 214-223. ACM, 2019.
URL: https://dl.acm.org/citation.cfm?id=3328562

Cross-platform-analysis

Ein großes Problem in der aktuellen Social Media Forschung ist, dass meistens nur einzelne Plattformen (und häufig nur Twitter) betrachtet werden. Wir untersuchen in dem Artikel Twitter, Facebook, Instagram und YouTube und schauen auf die Beiträge der deutschen Parteien. Der Vergleich von unterschiedlichen Plattformen ist nicht nur deshalb wichtig, weil ansonsten ein sehr verzerrtes Bild entsteht: Erstens wird die Reichweite und Bedeutung von Social Media sonst häufig unterschätzt (nur 2% der Deutschen haben einen Twitteraccount...). Zweitens werden die unterschiedlichen Plattformen naturgemäß mit unterschiedlichen Inhalten und Strategien bespielt. Drittens gibt der Vergleich der Plattformen Aufschluss über die zentralen Social Media Strategien der Parteien. Für alle Parteien untersuchen wir vier Kategorien, die zeigen, wie stark die Parteien engagiert sind und welchen Erfolg sie bei den Nutzern haben: party engagement, user engagement, message spread und acceptance. 
Die folgende Tabelle zeigt, wie die vier Kategorien auf den einzelnen Plattformen gemessen wurden.


Die Nutzerreaktionen folgen dabei im Prinzip einer Log-Normalverteilung. Das ist deshalb relevant, weil damit gesagt ist, dass eine kleine Anzahl von Nutzern für den Großteil der Reaktionen verantwortlich ist.

Ergebnis

Auf allen Kanälen ist die AfD dominant, sowohl hinsichtlich ihrer Aktivitäten als auch hinsichtlich ihrer Reichweite.


Auf Facebook ist die AfD die Partei, die mit Abstand die meisten Reaktionen bei den Nutzern hervorruft. Hier kommen drei Dinge zusammen: 1) Facebook ist DAS Kommunikationsmittel für die AfD, schon um die gängigen Medienkanäle umgehen zu können. 2) Die AfD verfolgt eine klare Strategie, alle Anhänger zur Interaktion aufzufordern ("TEILEN, TEILEN, TEILEN!"). 3) Es gibt Hinweise, dass es sich bei vielen Interaktionen nicht um authentisches Verhalten handelt, sondern dass bewusst mit zusätzlichen Accounts versucht wird, die Seiten der AfD zu pushen. Dies sieht man an der Verteilung der Daten, in der einzelne Hyperaktive Nutzer eine noch größere Rolle spielen als bei anderen Parteien.
Dieses Muster wiederholt sich im Prinzip bei den anderen Plattformen.



Auf Twitter fällt besonders die extrem hohe Zahl von Likes und Retweets auf. Zudem ist hier das Verhältnis von Likes zu Retweets mit ca. 2,3 sehr ungewöhnlich. Keine andere Partei bekommt annähernd so viele Retweets (die ja zu einer stärkeren Verbreitung führen) pro geliktem Tweet. Auch dies kann als Zeichen für nicht-authentisches Nutzerverhalten gewertet werden.


Auf YouTube haben Die Grünen etwas mehr Videos gepostet als die AfD und deutlich mehr Views. Die AfD hat aber wesentlich mehr Kommentare und Likes und weniger Dislikes. Auch hier liegt der Schluss nahe, dass diese Kennzahlen aus der beschriebenen Strategie resultieren.


Und genau dieses Bild wiederholt sich auf Instagram. Die AfD hat zwar weniger Posts als die CSU, aber deutlich mehr Kommentare und Likes.

Warum ist das wichtig?

Folgt man der These - und die beschriebenen Daten legen dies nahe -, dass die AfD ihre dominante Stellung in den Sozialen Netzwerken auch durch nicht-authentisches Nutzerverhalten erlangt, dann ist zunächst festzuhalten, dass die AfD ein Scheinriese ist: Oberflächlich betrachtet kann der Eindruck entstehen, die Partei (und damit ihre Inhalte) wäre besonders relevant für den politischen Online-Diskurs. Dies kann zum Beispiel Journalist*innen dazu verleiten, der AfD einen viel größeren Stellenwert einzuräumen als sie eigentlich verdient.
Zweitens aber ist dieses künstliche Aufblähen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Je mehr sich die Partei in den Sozialen Netzwerken groß macht, um so stärker springen die rein qualitativ getriebenen Algorithmen der Plattformen an und der Inhalt der AfD wird - zumindest potentiell - immer mehr Leuten in ihre Timeline gespielt. Gerade Facebook setzt zur Berechnung der Relevanz von Posts auf "meaningful interaction". D. h., je mehr Comments, Shares und Likes es gibt, umso relevanter findet der Algorithmus diese Inhalte. Für Katzenvideos mag das in Ordnung sein. Im politischen Onlinediskurs wird so die platteste und lauteste Stimme, noch dazu künstlich verstärkt durch Accounts, die aus rein politischer Absicht mit den Seiten interagieren, zur vorherrschenden Meinung.

Obwohl sich diese Ergebnisse nun seit Jahren konstant in allen Untersuchungen immer wieder bestätigen, gibt es nach wie vor bei vielen Akteuren wie dem BSI und bei einigen Politiker*innen nicht nachvollziehbare Bedenken, das Problem adäquat zu benennen: Das Hacking des politischen Onlinediskurses geschieht von rechts und hört auf den Namen AfD.
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07.05.2019

Desinformation und Microtargeting: Keynote und Panel Auf der #rp19

Hier das Video von der MEDIA CONVENTION auf der re:publica:

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SoMeFo

17.03.2017

#FakeNews und Hackerangriffe: Interviews


15.03.2017

#nazialmanya hack: What we know and what we don't


Today many twitter accounts – some of them by political institutions and celebrities – have been sending out tweets with hashtags #nazialmanya and #nazihollanda. These accounts have been hacked. Among them are @Europarl_EN, @_Bercy_ und @welt.
Because we are analyzing a lot of political relevant messages, we could find 19 accounts in our database that have to be compromised. All of them are political institutions, journalists, companies or data analysists. From 8:45 onwards we have been tracking the hashtags and till now we found 1370 tweets. Some are retweets, some seem to be sent from a botnet that is supporting the attack.


So what happened?

The company twitter counter (@thecounter) has probably been hacked. We suppose that all compromised accounts have used this service. So, not twitter has been hacked (probably). How did the hackers post on the twitter accounts? Twitter counter says they do not store twitter credentials. So, one possible solution would be that the app of twitter counter has the right to post in the name of users who have approved this service. Our guess is, someone has stolen some passwords, perhapse as hashed passwords, and then used this information.


What is quite strange is that not all accounts were posting the #nazialmanya tweets at the same time. As a strategy, this looks quite weired, because the attackers will have known that the effect of their attack would vanish soon with twitter taking counter meassured.

Summing up:

The attack has some elements that look very professional: a hack (if it was one) is not a walk through. A supporting botnet (if there really is one) is not something, every hacker has at hand. On the other hand, the fact that the accounts where posting one after another does not seem very professional. We would argue therefore: it was (probably) a professional hack but not by a state agency with unlimeted resources.

Who is doing this?

No one knows!!! It is no coincidence that this has happened today when there is an election in the Netherlands. It is easy to argue that this operations helps right-wing guys from NL more than Turkish nationalists.

 This fast and dirty overview was created by the Political Data Science team:
 Juan Carlos, Fabienne, Morry, Orestis and Simon.

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