Prof. Dr. Darrell M. West, Douglas Dillon Chair und Vizepräsident der Brookings Institution, sprach am Montag, den 1. Oktober an der Hochschule für Politik München (HfP) über die technologische Transformation von Medizin und Gesundheitswesen, gefolgt von einem Expertenpanel und einer Diskussion mit dem Publikum. Brookings ist eine der führenden überparteilichen politischen Ideenfabriken ("policy think-tanks") der USA. Darrell West leitet dort das Zentrum für technologische Innovation, das sich allgemein der Erforschung von Chancen und Risiken technologischer Veränderungen und diesbezüglicher Politikberatung widmet. Ein besonderes Interesse seiner Arbeit ist dabei das Gesundheitswesen, wozu sein 2010 erschienenes, mit Edward Alan Miller geschriebenes Buch, Digital Medicine: Health Care in the Internet Era, einen wichtigen Diskussionsbeitrag geliefert hat.
Technologische Neuerungen wie die Einführung digitaler Informations- und Kommunikationssysteme verändern die medizinische Praxis und grundlegende Aspekte des gesamten Gesundheitswesen in rasanter Geschwindigkeit. Diese Transformation wird von vielen kleinen Veränderungen getrieben. Sie reichen von Erinnerungsemails, die Patienten an Behandlungstermine oder die Medikamenteneinnahme erinnern, und neuen Möglichkeiten der Datenübertragung zwischen medizinischem Personal - was u.a. den Informationsfluss zwischen verschiedenen, den gleichen Patienten behandelnden Ärzten erleichtert und die automatische Überprüfung von Arzneimittelunverträglichkeiten vor der Verschreibung oder vor der Ausgabe der Medikamente in der Apotheke möglich macht - über medizinische Beratung per Video-Chat und die Einführung von Tele-Medizin bis hin zur diagnostischen Verwendung von artifizieller Intelligenz (im Moment noch zu Unterstützung, nicht als Ersatz, von medizinischem Fachpersonal, z.B. bei der Auswertung von Röntgenbildern).
Darrell West hat hierzu einen Impulsvortrag gehalten, in dem er sowohl die Chancen einiger der wichtigsten Veränderungen herausgearbeitet hat - wie auch die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Unter Leitung von Prof. Dr. Tim Büthe (HfP und TUM sowie Senior Fellow für Rethinking Regulation am Kenan Institute for Ethics der Duke University) haben dann Dr. med. Martin Graeßner vom TUM Klinikum rechts der Isar, Prof. Dr. Jürgen Pfeffer (HfP und TUM sowie Carnegie Mellon University) und Dr. Matthias Uhl, Leiter der Juniorforschergruppe Ethik der Digitalisierung an der TUM School of Governance - sowie zuletzt auch eine Reihe von Teilnehmern aus dem Publikum mit Prof. Dr. West Chancen und Risiken dieser Transformation diskutiert.
