Geschlechtergerechtigkeit ist bereits seit Jahrzehnten ein zentrales Anliegen der UN-Nachhaltigkeitsziele. Doch auch heute sind Frauen weltweit noch immer benachteiligt. In einer neuen Meta-Studie zeigen Forschende unter Beteiligung von HfP-Professorin Janina Steinert das transformative Potenzial sozialer Sicherungssysteme für die finanzielle und soziale Stärkung von Frauen auf. Basis der Meta-Analyse sind 93 Studien mit Daten von über 200.000 Frauen aus 45 Niedrig- und Mitteleinkommensländern.
Mehr als Armutsbekämpfung
Ob Bargeldauszahlungen, Lebensmittelmarken, soziale Betreuungsangebote oder öffentliche Beschäftigungsprogramme – soziale Sicherungssysteme umfassen eine Vielzahl staatlicher Maßnahmen. Weltweit dienen sie als probates Mittel zur Armutsbekämpfung. Dabei geht ihr Wirkungsspektrum weit darüber hinaus.
„Soziale Sicherungssysteme haben ein großes transformatives Potenzial, um Frauen wirtschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung zu ermöglichen“, betont Prof. Janina Steinert, die an der Durchführung der Meta-Analyse beteiligt war. „Für die Frauen bedeutet das konkret: eine größere finanzielle Unabhängigkeit infolge steigender Einkommen und Ersparnisse, aber auch erweiterte Handlungsspielräume.“ So profitierten sie etwa von mehr Entscheidungsmacht im eigenen Haushalt, stärkerer politischer Partizipation und gestärktem Selbstwertgefühl. „Es lohnt sich nachhaltig, in den Ausbau sozialer Sicherungssysteme zu investieren“, fügt die Professorin für Global Health an.
Besonders starke Wirkung von bedingungslosen Maßnahmen
„Insbesondere direkte Geldauszahlungen, die nicht an Bedingungen gebunden sind, erweisen sich als effektiv zur Stärkung von Frauen“, so Prof. Janina Steinert weiter. Seien sie an den Schulbesuch der Kinder oder an Gesundheits-Check-ups gebunden, seien die positiven Auswirkungen zwar vorhanden, aber deutlich schwächer. Als Grund vermuten die Forschenden, dass solche Maßnahmen oft als fremdbestimmend wahrgenommen werden könnten. Um Gleichberechtigung nachhaltig zu fördern, sei es also wichtig – entgegen dem allgemeinen Trend –, weltweit in soziale Sicherungssysteme zu investieren.
Wissenschaftlicher Artikel: Peterman, A., Wang, J., Kamto Sonke, K. et al. Social safety nets, women’s economic achievements and agency in 45 countries: a systematic review and meta-analysis. Nat Hum Behav (2026). https://doi.org/10.1038/s41562-025-02394-0
