Verbesserung des gleichberechtigten Zugangs zur Primärversorgung im ländlichen Togo durch Telemedizin

Projektbeschreibung
Togo weist anhaltende Lücken in der Gesundheitsversorgung auf, von denen insbesondere die ländliche Bevölkerung betroffen ist. Mit etwa 8 Ärzt*innen pro 100.000 Einwohner liegt das Land weit unter dem globalen Durchschnitt, und die meisten Mediziner*innen konzentrieren sich in städtischen Zentren (Weltbank 2023). Neben diesem Mangel an medizinischem Fachpersonal bestehen auch finanzielle Hürden: Weniger als 10 % der Bevölkerung haben Zugang zu einer Krankenversicherung, sodass hohe Eigenkosten viele Patient*innen davon abhalten, rechtzeitig medizinische Hilfe zu suchen – mit der Folge, dass gesundheitsbezogene Ausgaben ganze Haushalte in tiefere Armut treiben können.
Telemedizinische Plattformen, die Fernkonsultationen online oder per Telefon anbieten, gelten als ein vielversprechender Lösungsansatz für solche Defizite in der Gesundheitsversorgung (Cobb et al. 2025; Chauhan et al. 2025). Sie ermöglichen den Zugang zu Allgemeinmediziner*innen und Fachärzt*innen von überall, reduzieren damit Transport- und Opportunitätskosten und verbessern die medizinische Versorgung insgesamt (Lagarde et al. 2024). Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Telemedizin hat sich bislang jedoch überwiegend auf einkommensstarke Regionen konzentriert, ohne die besonderen Einschränkungen hinsichtlich Stromversorgung und Internetanbindung zu berücksichtigen, mit denen Telemedizin-Anbieter in Subsahara-Afrika konfrontiert sind.
Ziel dieses Projekts ist die rigorose Evaluierung einer integrierten digitalen Plattform, die den Zugang zur primären Gesundheitsversorgung in unterversorgten ländlichen Gemeinden Togos schneller, zuverlässiger und besser vernetzt gestalten soll. Dafür arbeiten wir mit Kondjigbalè zusammen, einer afrikanischen Digitalgesundheitsplattform, die das Leben von Patient*innen und medizinischem Fachpersonal vereinfachen möchte. Die Plattform bietet ihre Dienste bereits erfolgreich in Lomé an, jedoch noch nicht in den ärmeren, ländlichen Gebieten des Landes – was eine Anpassung des Systems an die Bedürfnisse, Kompetenzen und Infrastruktur einkommensschwacher Haushalte erfordert. Das Projekt soll Erkenntnisse liefern, die dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen zu verbessern – darunter Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und Mütter, ältere und chronisch kranke Menschen, Geflüchtete und Vertriebene an der Grenze zu Burkina Faso sowie Menschen in (extremer) Armut.
Projektbeteiligte:
Prof. Michael Grimm & Laura Stock (Universität Passau)
Yvon Koudam (Geschäftsführer & Mitgründer, Kondjigbalè)