Der Zusammenhang zwischen Armut und psychischen Erkrankungen ist in der Fachliteratur vielfach nachgewiesen worden. Die potenziellen kausalen Auswirkungen von Armutsbekämpfungsmaßnahmen auf psychische Störungen sind jedoch noch nicht gut erforscht. In dieser Systematic Review werden Erkenntnisse über die Auswirkungen einer bestimmten Art von Armutsbekämpfungsmaßnahmen auf die psychische Gesundheit zusammengefasst: die Bereitstellung von Geldtransfers in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Es wurden elf Datenbanken und Websites durchsucht und über 4.000 Studien auf ihre Eignung hin überprüft. Eingeschlossen wurden radomisierte kontrollierte Studien, in denen die Auswirkungen von Geldtransfers auf Depressionen, Angst und Stress untersucht wurden. Alle Programme richteten sich an Erwachsene oder Jugendliche, die in Armut leben. Insgesamt erfüllten 17 Studien mit 26.794 Teilnehmern in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südasien die Einschlusskriterien für diese Untersuchung. Die Studien wurden mit Hilfe des Cochrane Risk of Bias-Tools kritisch bewertet, und Publikationsverzerrungen wurden mithilfe von Funnel Plots, Egger-Regression und Sensitivitätsanalysen getestet. Die Überprüfung wurde in PROSPERO registriert (CRD 42020186955). Die Meta-Analyse ergab, dass Bargeldtransfers Depressionen und Ängste der Empfänger signifikant verringerten (d gepoolt = -0,10; 95% CI: -0,15, -0,05; p<0,01). Allerdings sind die Verbesserungen 2-9 Jahre nach Beendigung des Programms möglicherweise nicht von Dauer (d gepoolt = -0,05; 95% CI: -0,14, 0,04; ns). Die Meta-Regression zeigt, dass die Auswirkungen für unbedingte Transfers (d gepoolt = -0,14; 95% CI: -0,17, -0,10; p<0,01) größer waren als für bedingte Programme (d gepoolt = 0,10; 95% CI: 0,07, 0,13; p<0,01). Die Auswirkungen auf den Stress waren nicht signifikant, und die Konfidenzintervalle schließen sowohl die Möglichkeit einer bedeutenden Verringerung als auch einer geringfügigen Erhöhung des Stresses ein (d gepoolt = -0,10; 95% CI: -0,32, 0,12; ns). Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Geldtransfers eine Rolle bei der Linderung von Depressionen und Angststörungen spielen können. Allerdings könnte eine kontinuierliche finanzielle Unterstützung notwendig sein, um langfristige Verbesserungen zu erzielen. Die Auswirkungen sind in ihrer Größenordnung vergleichbar mit den Auswirkungen von Geldtransfers, z. B. auf die Testergebnisse von Kindern und auf Kinderarbeit. Die Ergebnisse geben außerdem Anlass zur Vorsicht hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen der Konditionalität auf die psychische Gesundheit, auch wenn weitere Erkenntnisse erforderlich sind, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen.
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