Political Data Science zur Bundestagswahl (Medienecho): Einschätzungen von Prof. Simon Hegelich


Die aktuelle Bundestagswahl scheint anders zu laufen als bisherige Wahlen. In Umfragen zeichnet sich kein deutlicher Vorsprung irgendeiner Partei ab, so dass sehr unterschiedliche Koalitionen – von schwarz-rot-gelb bis grün-rot-rot möglich scheinen. Gleichzeitig sind die Umfragen sehr volatil. Dazu kommt der Eindruck, der Wahlkampf gehe inhaltlich nicht in die Tiefe und der Ton der politischen Auseinandersetzung würde immer rauer.

Simon Hegelich, Professor für Political Data Science an der Hochschule für Politik München,  glaubt, dass eine wichtige Ursache dafür bei den Sozialen Medien zu finden ist. Seine These: Der politische Diskurs wird durch die Algorithmen der Plattformen verzerrt dargestellt und die Politik richtet an diesem Signal ihren Wahlkampf aus. Dadurch wird alles immer emotionaler, platter und polarisierender.

Für die Bayerische Landeszentrale für politische Bildung hat Simon Hegelich diese These ausführlich dargestellt: https://www.blz.bayern.de/publikation/einsichten-und-perspektiven-22021.html.

Wie die Algorithmen zu einer Verzerrung des politischen Diskurses führen, wurde u. a. in einem Gespräch mit dem Moderator und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar für das Deutsche Zukunftsmuseum erörtert: https://www.youtube.com/watch?v=R4TdYVXR9B4. Auch in einer Stellungnahme für die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) greift der Experte dieses Thema auf: https://www.youtube.com/watch?v=WiNymPxJCqQ.

In wie fern diese Algorithmen auch ganz neue Perspektiven für die Demokratie eröffnen, war Thema in der Arte-Wissenschaftssendung “42 – Die Antwort auf fast alles: Sollten wir losen statt wählen?”: https://www.arte.tv/de/videos/101941-006-A/42-die-antwort-auf-fast-alles/

Ausführlicher auf die negativen Wirkungen auf die Demokratie geht Simon Hegelich in einem Interview mit der Deutschen Welle: https://www.dw.com/de/social-media-und-die-bundestagswahl/av-59142129.

In dem Nachrichtenmagazin nano (ZDF/3Sat) bezieht Simon Hegelich Stellung zum Thema Microtargeting und erklärt, die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA (noch nicht veröffentlicht).

Die Probleme in der politischen Kommunikation beschränken sich dabei nach seiner Einschätzung nicht auf die großen Plattformen Twitter und Facebook. Gerade TikTok wird immer stärker in den politischen Diskurs einbezogen und verstärkt die beschriebenen Effekte. Simon Hegelich hat hierzu mit dem Deutschlandfunk (https://www.deutschlandfunkkultur.de/kurzvideoplattform-tiktok-hinter-dem-videoschnipsel-steckt.1264.de.html?dram:article_id=498717) und der DPA gesprochen.

Insgesamt ist die Erwartung aus der Perspektive der politischen Datenwissenschaft, dass durch die zunehmenden Feedback-Loops starke Oszillationen entstehen. Vermutlich wird es daher nach der Wahl eine Dreiparteienkoalition geben müssen, wobei die Verhandlungen durch die fortschreitende Polarisierung sehr schwierig werden.